Digitaldruck und Veredelung – kein Widerspruch.

von Anja Schlimbach

„Ein Bauchgefühl“ von Christopher C. Mickelthwate

Digitaldruck und Veredelung – bis auf wenige Inlinelösungen lässt sich das schlecht kombinieren. Christopher C. Mickelthwate, Geschäftsführer der Digitaldruckerei DIALOGISTIKER, hat mit einer Kama Pro Cut 53 gefunden, was nun fundamental wichtig für die Positionierung seines Unternehmens geworden ist.

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„Wenn im Drucksaal eine Indigo steht, erwarten die Kunden einfach ein sehr hohes Niveau. Und damit kommen dann auch ganz neue Anforderungen auf den Drucker zu. Immer wieder wurden wir gefragt, ob wir das Druckprodukt nicht ‚auch noch schnell‘ veredeln können.

Doch das ist gar nicht so einfach. Es gibt einen Punkt, den man beachten muss: Digitaldruck ist niemals  registerhaltig. Die Papierbögen werden über Friktionsanleger eingezogen, über eine Walze an eine Kante gelegt und so irgendwie in die Maschine eingezogen. Das steht in keinem Vergleich zum Offset, wo der Bogen mit Greifern durch die gesamte Maschine gezogen wird. Und daraus resultieren gewisse Probleme: Gibt ein Unternehmen die personalisierten Drucke zum Buchbinder oder Veredler, weil das Logo hoch geprägt oder mit Heißfolie ein Effekt erzielt werden soll, bekommt man von seinen ursprünglichen 10.000 Bögen vielleicht 9.000 zurück. Der Rest ist Makulatur. Das ist der Grund, warum es in Deutschland auch keine Digitaldruckerei gibt, die registerhaltig veredeln kann.

Schnittmarken-Trick

Aus dieser Not heraus ist uns die Idee gekommen, uns doch mal genauer auf dem Markt umzuschauen. Ein wenig kam uns der Zufall zur Hilfe, denn unsere Anfrage überschnitt sich mit einer Entwicklung von Kama. Der Maschinenbauer hat sich über genau das gleiche Problem Gedanken gemacht. Eine Lösung dazu wurde auf der Drupa gezeigt und auf der Drupa habe ich auch die Entscheidung getroffen, diese Maschine zu kaufen. Das ging ganz flott. Zwar sind wir Männer nicht unbedingt für unser Bauchgefühl bekannt, doch wenn es um Maschinen geht, gibt es schon Ausnahmen. Ich habe einfach gespürt, dass es passt.

Und so kam es, dass eine der ersten Maschinen, die jemals in dieser Serie ausgeliefert wurden, bei uns steht. Die Kama verfügt über ein AutoRegister. Das klingt simpel, hat aber eine wirklich große Wirkung. Über eine Kamera wird eine Schnittmarke, die zuvor mit eingedruckt wurde, ausgelesen. So kann jeder Bogen exakt nach dem Druckbild ausgerichtet werden. Der Rest ist eigentlich gewöhnlich: Heißfolie, Blindprägung, Reliefprägung, Microembossing, Stanzen, Rillen, Nuten, Blindprägen. Das gibt es schon seit vielen Jahren. Doch jetzt kann es mit Digitaldruck kombiniert werden; und das ist einzigartig.

Zuerst keine Ahnung

Aus dem Bauchgefühl heraus entwickelte sich für uns eine wirkliche Herausforderung. Wir sind zuerst ein bisschen blauäugig an die Sache herangegangen. DIALOGISTIKER ist ursprünglich aus einer kleinen Offsetdruckerei entstanden. Als ich die Firma gekauft habe, konnte man mit Offset nicht wirklich gut Geld verdienen. Deswegen haben wir uns überlegt, DIALOGISTIKER ganz scharfkantig als Digitaldruckerei zu positionieren. Deshalb muss man sich die Infrastruktur so vorstellen, dass es neben der Indigo als Kern des Geschäfts nur noch Maschinen für die Weiterverarbeitung gibt. Von Veredelung hatten wir keine Ahnung. Und so hat es uns viel Zeit gekostet, die Maschine in den Griff zu bekommen. Es war so, als müsste man das Drucken ein zweites Mal lernen. Würden Sie mir heute erzählen, was wir alles erlebt haben, hätte ich die Maschine wohl gar nicht erst gekauft. Aber ich habe es trotzdem getan, und zwar sehr bewusst.

Wir mussten unser Lehrgeld zahlen. Es gibt eben ein paar Punkte, die man berücksichtigen sollte. Beispielsweise braucht man eine Person, die sich ausschließlich um Veredelung kümmert. Doch dann kann das in einer schönen Freundschaft enden. Unsere Mitarbeiter sind jedenfalls hellauf begeistert. Sie haben etwas zum Experimentieren, und das Ergebnis ist auch sensationell. Wir alle haben einen sehr hohen ästhetischen Anspruch.

Blick in unsere Produktionshalle

Alles inhouse

Meine Begeisterung beruht aber auch auf der Tatsache, dass ich weiß, dass DIALOGISTIKER das einzige Unternehmen ist, das so etwas leisten kann. Wenn ein Schmuckhersteller mit einem Mailing in einer hohen Auflage zu uns kommt, kann ich das Personalisieren, Veredeln und Versenden aus einer Hand anbieten. Es gibt nicht viele Dienstleister, zu denen solche Kunden noch gehen können. Es ist schon eine tolle Erfahrung, wenn Sie große Aufträge von renommierten Unternehmen aus dem Ausland bekommen. Ich muss auch dazusagen, dass ich gerne alle Fertigungsprozesse inhouse habe. Ich gebe einfach ungern Dinge aus der Hand, wenn es um Wertigkeit und Qualität geht.

Je stärker sich Unternehmen Gedanken machen, welchen Kommunikationskanal sie mit welchem Instrument bedienen, umso stärker wird die Position von Veredelung. In dem Moment, in dem man Aufmerksamkeit erzeugen will, muss man den Medienkanal Print wählen. In der Branche wird schnell alles auf sinkende Budgets geschoben. In Wirklichkeit sinken nicht die Budgets, sondern die Auflagen. Unternehmen investieren viel mehr in Haptik, in Qualität und in Wertigkeit, als sie dies früher getan haben. Dieses Feld müssen wir bedienen und können es nun hervorragend abdecken.“

Aufgezeichnet von Anja Schlimbach.
(4c Printausgabe Deutschland 1/2014)